|
Die Sonnenfinsternis am 22.09.2006 im Über- und Rückblick
Was war zu sehen?
Reisehinweise
Links zur Sonnenfinsternis am 22.09.2006
DIE SONNENFINSTERNIS AM 22.09.2006 IM ÜBER- UND RÜCKBLICK
Am 22.09.2006 fand eine ringförmige Sonnenfinsternis (Diagramm von Fred Espenak) statt, deren Sichtbarkeitszone im Norden Südamerikas begann. Kurz nach Sonnenaufgang erlebten neben kleinen Gebieten im Osten Venezuelas sowie im Norden Brasiliens die Länder Guyana und Surinam den Feuerring. Die letzte Landberührung erfolgte in Französisch-Guyana. Danach zog sich die Zentralzone über die endlosen Wasserflächen des Südatlantiks, wobei die maximale Verfinsterung mit 7min5sek Dauer und einer Magnitude von 0,935 (entspricht einer Flächenbedeckung von 87,5%) erreicht wurde. Der Eclipsepfad führte danach weit südlich des Kaps der Guten Hoffnung vorbei in den Indischen Ozean. Hier endete die SoFi bei Sonnenuntergang in der Nähe der subantarktischen Inseln Kerguelen und Heard.

Ablauf der Sonnenfinsternis am 22.09.2006
|

|

Verlauf der Zentralzone im Nordosten Südamerikas.
|

Partielle Verfinsterung bei Sonnenaufgang in Cayenne am 22.09.2006.
|

Finsternismitte in Cayenne am 22.09.2006, Sonne 7,7° über dem Horizont; 85,45% der Sonnenscheibe abgedeckt.
|
|
Alle Diagramme wurden erstellt mit WIN-ECLIPSE 3.0 von Heinz Scsibrany.
|
Da keine Kreuzfahrt angeboten wurde, konnte die ringförmige Sonnenfinsternis am 22.09.2006 lediglich im Norden Südamerikas beobachtet werden. Sowohl in Guyana als auch in Surinam ist die touristische Infrastruktur wenig entwickelt, Straßennetze sind außerhalb der jeweiligen Hauptstädte kaum vorhanden. Dies war besonders in Guyana problematisch, da dessen Hauptstadt Georgetown außerhalb der Zone ringförmiger Verfinsterung liegt. In Französisch-Guyana ist die Straße von Cayenne nach Kourou, wo sich dass europäische Raumfahrtzentrum befindet, vergleichsweise gut ausgebaut. Gegenüber den westlichen Nachbarstaaten hatte es den Vorteil, dass die Sonne hier zur Finsternismitte bereits höher am Himmel stand (New Amsterdam/Guyana: 1.7°; Paramaribo/Surinam: 4,5°; Cayenne/Fr.-Guyana: 7,7°). In allen drei Ländern herrscht tropisch-feuchtes Klima, doch fiel die Sonnenfinsternis zum Glück genau in die Mitte der Trockenzeit. Klimadiagramme weisen für Cayenne im September eine durchschnittliche Niederschlagsmenge von etwa 30mm aus. In Paramaribo und Georgetown sind es jeweils etwa 80mm. Für Französisch-Guyana sprach auch die Tatsache, dass es eine französische Provinz, mithin also EU-Gebiet ist. Ein gültiger Personalausweis genügte zur Einreise, von Paris aus bestehen regelmäßige Flugverbindungen nach Cayenne.
In fast ganz Südamerika, der östlichen Karibik, im Atlantik südlich der Bermudas und Kanaren, in der Südwesthälfte Afrikas, im südlichwestlichen Indischen Ozean und in Teilen der Antarktis war diese SoFi als partielle Sonnenfinsternis sichtbar. Hohe Bedeckungsgrade, die zu einer wahrnehmbaren Abschwächung des Tageslichtes führten, wurden aber nur in Teilen Venezuelas und Brasiliens, auf einigen Inseln in der Karibik, im Südatlantik und im südlichen Indischen Ozean sowie in der Gegend um Kapstadt erreicht.
Die ringförmige Sonnenfinsternis am 22.09.2006 hat in der weltweiten astronomischen Szene nur wenig Aufmerksamkeit gefunden. Der Grund dafür dürfte vor allem gewesen sein, dass selbst die partiellen Phasen weder in Nordamerika noch in Europa zu sehen gewesen sind. Dennoch hatten etliche Interessenten ihren Weg nach Französisch Guyana gefunden, wo die ringförmige Phase ebenso wie in den Nachbarstaaten Surinam und Guyana kurz nach Sonnenaufgang beobachtet werden konnte. In allen 3 Ländern spielte das Wetter mit, allerdings hatte es in Georgetown (Guyana) bis kurz vor der SoFi noch geregnet. Dass in Französisch Guyana gute Bedingungen herrschten, davon konnte man sich an Hand des Webcastings der University of North Dakota live überzeugen. Trotz langsamer Datenleitungen hatte die Übertragung eine recht gute Qualität. Es gab lediglich ein weiteres Webcasting, nämlich von Gran Canaria (Saros.org), wo freilich nur eine sehr bescheidene partielle SoFi zu bewundern war.
Zu dieser Sonnenfinsternis wurde eine deutschsprachige Pauschalreise nach Französisch Guyana durchgeführt, deren Teilnehmer unmittelbar nach der Finsternis das europäische Raumfahrtzentrum (Startplatz der Ariane-Raketen) bei Kourou besichtigten.
WAS WAR ZU SEHEN?
Die SoFi am 22.09.2006 ist ringförmig, d.h. der Mond tritt genau vor die Sonnenscheibe (es kommt also zu einer zentralen Verfinsterung), ohne sie aber ganz zu bedecken. Der scheinbare Durchmesser des Mondes ist in diesem Fall deutlich kleiner als derjenige der Sonne. Selbst im Maximum der Verfinsterung bleibt rund um die Mondscheibe ein schmaler Ring der Sonnenscheibe sichtbar, welcher etwa 12,5% der gesamten scheinbaren Sonnenfläche entspricht. Das hört sich wenig an - aber: das auf knapp 1/10 reduzierte Sonnenlicht ist immer noch 40000 mal heller als der Vollmond! Eine ringförmige SoFi darf deshalb in allen Phasen nur durch spezielle Schutzbrillen oder indirekt - mit Hilfe einer Projektion - beobachtet werden. Lesen Sie hierzu bitte den Artikel von Fred Espenak.
Weil der Sonnenring so hell ist, treten die für eine totale SoFi charakteristischen Phänomene nicht auf. Trotzdem ist eine ringförmige Sonnenfinsternis zweifelsohne nicht nur ein sehr seltenes, sondern auch ein eindrucksvolles Naturereignis. Wegen des hohen Bedeckungsgrades der Sonne kommt es zu einer sehr deutlichen und bisweilen geradezu gespenstischen Abschwächung und Farbveränderung des Tageslichtes. Sowohl beim 2. Kontakt (Übergang der partiellen in die ringförmige Phase) als auch beim 3. Kontakt (erneuter Übergang in die partielle Phase) tritt der von totalen SoFis her bekannten "Perlschnureffekt" auf. Achten Sie auch auf den Himmel: Venus wird oberhalb der Sonne sichtbar werden, möglicherweise auch die hellsten Sterne (vor allem Sirius und Canopus). Da die Finsternis weit über 5 Minuten dauert, haben Sie etwas Zeit, sich am Himmel umzuschauen.

Diagramm erstellt mit RedShift 4
REISEHINWEISE
Guyana und Surinam haben mit hohen Kriminalitätsraten zu kämpfen; entsprechende Vorsicht ist bei Aufenthalten in diesen beiden Staaten geboten. Für Reisen nach Französisch-Guyana, Surinam und Guyana ist eine gute Gesundheitsvorsorge insbesondere in Hinsicht auf Tropenkrankheiten angebracht, eine Gelbfieber-Impfung wird dringend empfohlen, z.T. ist sie vorgeschrieben. In allen 3 Ländern besteht ganzjährig ein regional unterschiedlich hohes Malaria-Risiko.
Detaillierte und aktuelle Informationen zur Sicherheitslage in Guyana und Surinam finden Sie auf den Seiten des Auswärtigen Amtes (Guyana, Surinam). Informationen zur gesundheitlichen Vorsorge gibt es bei Travel-Med.
LINKS ZUR SONNENFINSTERNIS AM 22.09.2006
VORBERICHTE
Jay Anderson: Annular Solar Eclipse September 22, 2006
Astro!nfo: Die ringförmige Sonnenfinsternis vom 22. September 2006
Alexander Birkner: Die ringförmige Sonnenfinsternis am Freitag, 22. September 2006.
Clarín.com (Buenos Aires): Un eclipse parcial de Sol se verá en casi todo el país
Fred Espenak: Annular Solar Eclipse of 2006 September 22
Ghanaian Chronicle (Accra): Ghana to Observe Another Solar Eclipse On Sept 22
Robert Nufer: Die ringförmige Sonnenfinsternis am 22. Sept. 2006 (PDF)
Wolfgang Ott: T-Shirt-Motive zur SoFi
SkyTonight.com: An Atlantic Solar Eclipse
Ian Cameron Smith: Annular Solar Eclipse: September 22 2006
Olivier Staiger: Annular solar eclipse september 22 , 2006
Sheridan Williams: Annular Solar Eclipse Friday 22 September 2006
WEBCASTINGS
University of North Dakota: Webcasting aus Französisch Guyana
Saros.org: Webcasting von Gran Canaria (partielle SoFi!)
BERICHTE & FOTOS
BBC: Allgemeiner Bericht
SkyTonight.com: Allgemeiner Bericht
Spaceweather.com: Fotogallerie
Clarín.com (Buenos Aires): Bericht und Video aus Argentinien
Nachrichten von heute: Bericht aus Botswana
Alexandre Amorim: Fotos aus Brasilien
O Estado de Sao Paulo: Bericht und Foto aus Brasilien
Dori & Ray Brooks: Bericht und Fotos aus Französisch Guyana
T. Cools: Fotos aus Französisch Guyana
ESA Science & Technology: Bericht aus Französisch Guyana
Daniel Fischer: Bericht und Fotos aus Französisch Guyana
Xavier Jubier: Fotos aus Französisch Guyana
Paul D. Maley: Bericht und Fotos aus Französisch Guyana
Fabrizio Melandri: Fotos aus Französisch Guyana
Osamu & Kazuko Ogoe: Fotos aus Französisch Guyana
Jörg Schoppmeyer: Fotos aus Französisch Guyana
Slava & Jane: Fotos aus Französisch Guyana
University of North Dakota: Bericht und Fotos aus Französisch Guyana
Val & Andrew White: Bericht und Fotos aus Französisch Guyana
Manuel Zimmermann: Fotos aus Französisch Guyana
Accra Mail: Bericht aus Ghana
Doris Unbehaun & Wolfgang Paech: Fotos aus Namibia
Kobus Olckers: Foto aus Südafrika
|